Wälder

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Die Waldbewirtschaftung in Europa zielt auf nachhaltige und gesunde Wälder. Gleichzeitig steigen die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald und den begehrten Rohstoff Holz. Die EU-Forstwirtschaft ist durch vergleichsweise strenge Waldgesetze geprägt. In Deutschland und Österreich sind beispielsweise bereits 70–90 % der Wälder zusätzlich nach Standards wie FSC, PEFC oder Naturland zertifiziert. In vielen Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas ist der öffentliche Druck für eine nachhaltige Waldwirtschaft dagegen deutlich geringer (UNEP/Interpol: „Green Carbon – Black Trade“). Der Begriff der nachhaltigen Forstwirtschaft (Georg Ludwig Hartig, 1804) bedeutet zunächst, nicht mehr Holz zu entnehmen, als nachwächst. Heute berücksichtigt die deutsche Forstwirtschaft weitere Aspekte einer naturnahen Bewirtschaftung, darunter Strukturvielfalt, standortgerechte Baumarten und die Vermeidung großflächiger Kahlschläge. Was unter nachhaltiger Waldnutzung verstanden wird, unterscheidet sich international erheblich. Waldbewirtschaftung findet weltweit unter unterschiedlichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen, geografischen und ökologischen Bedingungen statt.

Waldfunktionen

Eine zentrale Funktion des bewirtschafteten heimischen Waldes ist die Bereitstellung des wertvollen Naturrohstoffs Holz durch nachhaltige Waldwirtschaft. So sind unsere „Alten Nachhaltigkeitswälder“ mit ihrem für bewirtschaftete Wälder vergleichsweise hohen Kohlenstoffspeicher (vgl. FAO-Datenbank) und einer hohen Anzahl waldlebender Arten (vgl. Rote Liste der IUCN) entstanden. Dies gilt keineswegs für alle Wälder der Welt. Naturnahe, nachhaltige Waldwirtschaft wird in der Europäischen Union nicht nur aus ökonomischen Gründen angestrebt, sondern auch, weil der Wald weit mehr Funktionen als die reine Rohstoffbereitstellung erfüllt: Er stabilisiert das Klima, dient als CO₂-Senke, trägt zu sauberem Grundwasser und zum Schutz vor Bodenerosion bei, bietet Lebensraum für zahlreiche Arten und dient den Menschen als Erholungsraum. Vielen Kunden, Architekten und Kommunen ist jedoch nicht bewusst, dass nur noch ein Teil der auf dem deutschen Markt angebotenen Holzprodukte Holz aus deutschen Wäldern enthält (vgl. Veröffentlichungen des WWF).

Wälder und Klima

Wälder haben großen Einfluss auf das Klima. Bäume entziehen beim Wachstum der Atmosphäre CO₂ und speichern den Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Nach ihrem Absterben wird er wieder freigesetzt und von nachfolgenden Baumgenerationen aufgenommen. Wie schnell dieser Kohlenstoffkreislauf abläuft und wie viel Kohlenstoff gespeichert wird, unterscheidet sich stark zwischen den Waldtypen.

Die verbliebenen borealen Urwälder Russlands und Nordamerikas sind bedeutende Kohlenstoffspeicher und ihr Schutz ein wichtiger Beitrag zum globalen Klimaschutz. So binden die Urwälder Sibiriens große Mengen der menschengemachten Emissionen Europas und Russlands (Schulze et al.). Tropische Urwälder tragen zudem wesentlich zur Stabilisierung der Klimazonen und zur weltweiten Sauerstoffproduktion bei. Ihr fortschreitender Verlust ist daher problematisch: In den vergangenen 20–30 Jahren verschwanden laut FAO fast 300 Mio. Hektar Urwald in Asien, Lateinamerika, Afrika und Russland.

In Europa hat die Waldfläche dagegen leicht zugenommen. Die seit Langem nachhaltig bewirtschafteten Wälder der gemäßigten Breiten („Alte-Nachhaltigkeitswälder“) speichern deutlich mehr Kohlenstoff als viele tropische Holzplantagen, für die teilweise zuvor Urwälder gerodet wurden (u. a. UNEP, WCMC, Köhl, Schulze). Besonders der dabei entstehende Kohlenstoffverlust aus den Böden lässt sich durch spätere Plantagen kaum ausgleichen. Auch nachhaltig bewirtschaftete Wälder Europas besitzen daher eine wichtige Kohlenstoffspeicherfunktion. Monokulturen und monostrukturierte Plantagen speichern dagegen weniger. Grundsätzlich gilt: Je naturnäher ein Wald ist und je schonender er bewirtschaftet wird, desto mehr Kohlenstoff kann insbesondere auch im Boden gespeichert werden.

Wälder und Biodiversität

Nur noch 30% der Waldflächen der Erde sind Primärwälder, also nicht bewirtschaftete Urwälder. Gerade sie sind aber Hot Spots der weltweiten Biodiversität. Etwa 50 – 70 % aller Arten der Welt leben hier (www.ape alliance). Der Verlust an Primärwälder vor allem in den Tropen (Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika und Ozeanien) aber auch borealen Regionen (z.B. Sibirien, Kanada, Nordamerika) ist immer noch hoch (FAO Datenbank, WRI Datenbank). Die Gründe sind schon lange nicht mehr „nur“ illegaler und legaler Holzeinschlag im Primärwald sondern vor allem die Anlage von Plantagen für Holz, Zellstoff, Palmöl, Zuckerrohr und Soja. Den Schutz von Primärwäldern durch die Weltgemeinschaft auch finanziell zu tragen, wäre letztlich billiger als die Folgen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlustes zu bezahlen (Stern Report), die sehr stark auch mit dem Verlust an Primärwäldern zusammenhängen.

Je nördlicher der Wald, desto geringer die Baumartenvielfalt auf einer Einheitsfläche. Beispielsweise haben Nadelwälder in Schweden in der Regel weniger als 5 Baumarten pro Hektar. Je stärker man sich dem Äquator nähert, desto höher ist die Vielfalt. Genauso verhält es sich mit der lebenden Biomasse. Nördliche Wälder sind im Vergleich mit tropischen Wäldern ärmer an lebender Biomasse. In ihr ist Kohlenstoff gespeichert, bis der Baum stirbt. Dann wird dieser wieder freigesetzt und auch von nachkommenden Baumgenerationen genutzt. Ein solcher „geschlossener Kohlenstoffkreislauf“ ist jedoch sehr unterschiedlich eng (oder „schnell“) zwischen den verschiedenen Waldtypen geschlossen.

Artenreiche Wälder besitzen an die jeweiligen Bäume gebundenen Pflanzen- und Tierarten. Diese artenreiche Gemeinschaft ist ein wichtiger Faktor zur Stabilisierung der Wälder gegenüber extremen Faktoren, weil durch eine hohe Artenvielfalt aller Organismengruppen die Auswirkungen des Klimawandels effizienter abgepuffert werden können, durch z.B. Sicherung der Bodenfeuchtigkeit und Bodenfruchtbarkeit, gute Verbreitung der Baumsamen, Zersetzung von altem Holz für Humusauflage usw. Artenreiche Wälder sind durch die höhere Fähigkeit der Anreicherung von Kohlenstoff in der Pflanzenmasse und Humusauflage deutlich bessere Kohlenstoffspeicher als Monokulturen oder Plantagen. Sie leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Bindung von klimawirksamem CO2.

Von den etwa 233 Ländern der Welt haben 192 die CBD, die Konvention zur biologischen Vielfalt unterzeichnet (CbD), darunter nahezu alle Lädenr der EU. „Nur“ 41 Länder weltweit haben sie nicht unterzeichnet, darunter die USA.

Das International Tropical Timber Agreement (ITTA) hat das Ziel, die Expansion und Diversifizierung des internationalen Handels mit Tropenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu befördern“, es ist bisher kaum kontrolliert (UNEP/Interpol, 2012) und kaum umgesetzt (bisher sind nur 1-5% der Waldfläche in Ländern mit tropischen Primärwäldern zertifiziert). Das ITTA haben weltweit nur 60 Länder unterzeichnet. Die meisten davon sind Länder, die in den letzten 20 Jahren 50 – 70% ihrer Primärwaldflächen durch Vergabe von Einschlagskonzessionen verloren haben. Länder wie Indonesien, von denen UNEP und Interpol berichten, dass mehr als 90-95% des von Indonesien nach Malaysia (für den internationalen Markt) importierten Holzes der letzten Jahre gefälschte „legale“ Dokumente hatte (Bericht „Green Carbon – Black Trade“). Länder wie Kamerun haben das Abkommen unterzeichnet, ein Land, das laut Red List von IUCN die größten Artenverluste in Wäldern weltweit aufweist. Erst gar nicht unterzeichnet haben das Abkommen andere Länder weltweit, darunter Russland, Madagaskar, Südafrika, Türkey, Kenia, Tansania u.a.

Dabei muss zudem auch immer erwähnt werden, dass wissenschaftliche Studien seit langem nachgewiesen haben, dass selbst eine  nachhaltige Holzernte aus diesen Urwäldern zu Biodiversitätsverlusten führt (Asner et al., 2000, Science; u.a.).